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TUDIRGUT
9. September - 14. Oktober 2006
Mit ihre Ausstellung TUDIRGUT im Delikatessenhaus thematisiert Iris Kettner die sich in den letzten Jahren verstärkende Hinwendung zu esoterischen oder magischen Ritualen, Methoden und Techniken. Die Ursachen, sich für metaphysische, wissenschaftlich nicht eindeutig erklärbare Praktiken zu interessieren, sind unterschiedlich motiviert: die Suche nach sich Selbst und der Wunsch nach persönlicher Entwicklung können ebenso ausschlaggebend sein wie Zäsuren, die Krisen auslösen und eine Neuorientierung erfordern.
Wie jede ihrer sogenannten Dummies ist auch die im Hauptraum gezeigte Skulptur Angebot aus Altkleiderlumpen geformt, die mit Klebeband über Holzkonstruktionen gewickelt werden. Die Wahl solcher unnoblen, armen Werkstoffen ist eine bewusste Entscheidung, die sie u.a. mit dem Künstler Thomas Hirschhorn gemein hat. Ebenso wie er vertritt Iris Kettner den Anspruch, dass Kunst nichts mit Luxus zu tun haben muss. Hirschhorns Slogan Energie ja - Qualität nein kann auch auf ihre Arbeiten angewendet werden, doch im Unterschied zu ihm dienen die minderwertigen Materialien bei Iris Kettner nicht als Widerstand gegen kulturelle Missstände. Sie definieren auf den ersten Blick vertraut anmutende Gestalten des urbanen Großstadtlebens. Erst bei genauerer Betrachtung weicht der Eindruck der Vertrautheit dem der Irritation. Noch näher an realen Erfahrungen funktioniert die Figurengruppe Paar im zweiten Ausstellungsraum, die den Besucher Zeuge einer zärtlichen und gleichzeitig verloren wirkenden Handlung werden lässt.
Für die ebenfalls ausgestellte Bildserie Fotos in Berlin lässt Iris Kettner ihre Dummies als imaginäre Familienmitglieder in einem von Türken betriebenen Neuköllner Fotostudio ablichten. Die gezeigten Arbeiten stehen für das Interesse Iris Kettners ihr künstlerisches Werk zunehmend in sozialen Zwischenräumen zu verorten.
Iris Kettner ist im Rahmen ihres Kunstfonds - Stipendiums Teilnehmerin der zur Zeit in der Berlinischen Galerie stattfindenden Ausstellung Abgebrannt . Mehr dazu unter:
www.berlinischegalerie.de
Die Ausstellung im Delikatessenhaus wurde von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördert.