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Mummenschanz
26. April -31. Mai 2008
Die Arbeiten von Britta Jonas lassen sich auf zwei Arten lesen: zum einen als autonome Einzelwerke voller Humor und Ironie, zum anderen als Verkettung voller inhaltlicher Selbstbezüge. Das künstlerische Werk von Britta Jonas besticht durch teils deutliche, teils nur bei genauer Betrachtung zu erschließende Verknüpfungen zwischen den einzelnen Arbeiten.
Die Verwendung von bereits entwickelten Motiven und deren hintersinnige Einschreibung in eine neue Arbeit entwickelt sich immer stärker zu einem wesentlichen Erkennungsmerkmal ihres künstlerischen Ausdrucks.
Ehemals dominante Inhalte rücken in der nächsten Arbeit auf einen Nebenschauplatz, führen jedoch die Erinnerung an das vorher Gewesene mit. Das neue Schlagwort von der ‚Migration der Form' wird von ihr als selbstreferentielles System konsequent entwickelt.
Britta Jonas bezieht sich in ihren Skulpturen, Installationen und Animationsfilmen immer wieder auf althergebrachte Techniken, die mit Begriffen wie Heimat und Brauchtum verbunden sind. Laubsägearbeiten finden sich ebenso wie aus Bast geflochtene Skulpturen.
Mit der dem Material entsprechenden Heimeligkeit haben ihre Arbeiten jedoch nichts gemein. Groteske Veränderungen brechen mal subtil, mal radikal mit der Vertrautheit des Materials. In einer Art künstlerischem Exorzismus treibt Britta Jonas jede sich einstellen wollende Gemütlichkeit gründlichst aus: Figuren kippen, verbrennen, werden gejagt. Die zunächst provozierte nostalgische Vorstellung einer "besseren" Vergangenheit weicht schnell.
Trotz der ironischen Grundhaltung wird Tradition bei Britta Jonas jedoch nicht kompromittiert, sondern eher befragt. In einem fortlaufenden Reigen inszeniert sie die Erzählung einer großen Geschichte über grundlegende menschliche, oft unerfüllbare Sehnsüchte.
Vielleicht passt das Bild eines, aller Didaktik beraubten ‚Struwwelpeters für Erwachsene': in unbekümmerter Frechheit ziehen die Figuren von Britta Jonas dem Betrachter lange Nasen, auf dass man sich an die selbige fasse.
Britta Jonas zeigt ihre Arbeiten zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in Leipzig. Die Absolventin der Akademie für Bildende Künste Dresden und ehemalige Meisterschülerin von Prof. Martin Honert setzt damit ihre Zusammenarbeit mit dem Delikatessenhaus nach ihrer Beteiligung an der Gruppenausstellung "boofe L.E." im September 2005 fort.
Das Prinzip der Verschränkung soll dabei eine neue Variation erfahren: Im Februar 2008 zeigte Britta Jonas in der Galerie Birgit Ostermeier (Berlin) eine Wandarbeit, die puzzleartig von einem gleichwohl komischen, wie sexuell aufgeladenen Machtkampf zwischen Mann und Frau erzählt.
Bewusst frei gelassene Stellen des Gesamtmosaiks werden zwei Monate später in der Ausstellung im Delikatessenhaus auftauchen, so dass sich das Gesamtbild nur in der Erinnerung beider Ausstellungen einstellen kann. Ergänzt wird diese Wandinstallation durch den Animationsfilm Der Tanz.